Prusa HT-Hotend-Upgrade: 3D-Druck bei 400 °C jetzt auch für den Desktop-Drucker

Veröffentlicht am 8. Oktober 2026 um 09:42

Hintergrund

Seit Anfang Oktober 2026 bietet Prusa für seine Core-One-Baureihe (Core One, Core One+, Core One+ Gen2, Core One L und Core One L+) ein neues Hotend-Upgrade an: das HT-Hotend. Der Name steht für "High Temperature" – und das ist Programm. Während das Standard-Hotend des Core One bei rund 290 °C an seine Grenzen stößt, schafft das HT-Hotend bis zu 400 °C. Herzstück ist eine E3D-ObXidian-500-Düse aus gehärtetem Stahl mit 0,4 mm Durchmesser, die auch mit abrasiven, glas- oder carbonfaserverstärkten Filamenten klarkommt, ohne sich schnell abzunutzen.

Technisch handelt es sich um ein reines Plug-in-Upgrade: Zwei Schrauben lösen, das Kabel des Heizblocks umstecken, fertig – kein Löten, kein kompletter Druckkopf-Tausch. Das macht die Nachrüstung für bestehende Core-One-Besitzer deutlich zugänglicher als ein kompletter Geräte-Neukauf. Wer sich gleich für einen neuen Drucker entscheidet, bekommt das HT-Hotend auch werkseitig verbaut, etwa im Core One L+.

Der Clou an den 400 °C: Erst ab dieser Temperaturklasse lassen sich technische Hochleistungskunststoffe wie PEKK-CF, PPS, PPSU oder bestimmte Polycarbonat-Blends zuverlässig verarbeiten – Materialien, die bisher vor allem Industriedruckern vorbehalten waren. Laut den Testwerten von Prusa verbessert sich zudem die Schichthaftung bei Materialien wie PA11-Carbon oder ASA merklich gegenüber dem Standard-Hotend.

Praktische Tipps

Wer über das Upgrade nachdenkt, sollte zunächst ehrlich prüfen, ob die eigenen Projekte tatsächlich Hochtemperaturmaterialien brauchen. Für klassisches PLA, PETG oder auch die meisten ABS-Drucke ändert sich praktisch nichts – das Standard-Hotend reicht hier völlig aus, und ein Umbau lohnt sich nicht.

Interessant wird das HT-Hotend vor allem für alle, die stabile, hitzebeständige oder chemisch widerstandsfähige Funktionsteile drucken: Halterungen im Motorraum eines Fahrzeugs, Werkzeuggriffe für den Werkstattalltag, Gehäuse für Elektronik, die warm wird, oder Ersatzteile, die UV- und Temperaturbelastung aushalten müssen. Für diese Einsatzzwecke lohnt sich die Investition, weil sie neue Materialklassen überhaupt erst nutzbar macht.

Vor dem Einbau empfiehlt es sich, einen Blick in die Prusa-Dokumentation zur Kompatibilität der eigenen Druckerversion zu werfen – nicht jede Core-One-Variante benötigt exakt das gleiche Vorgehen. Beim ersten Druck mit einem neuen Hochtemperaturmaterial lohnt sich außerdem immer ein kleines Testobjekt, bevor ein größeres, zeitintensives Projekt gestartet wird: Fließverhalten, Haftung auf dem Druckbett und Kühlung verhalten sich bei 350–400 °C oft anders als bei den gewohnten 200–230 °C. Auch ein beheizter Bauraum (etwa durch ein Gehäuse) hilft, Verzug bei technischen Filamenten zu reduzieren.

Wer regelmäßig mit faserverstärkten Filamenten arbeitet, sollte zusätzlich im Blick behalten, dass auch gehärtete Düsen irgendwann Verschleiß zeigen – ein Ersatz-Nozzle in der Werkstattschublade erspart späteren Stillstand.

Fazit

Das HT-Hotend zeigt, wie viel sich bei bestehenden Desktop-Druckern durch gezielte Hardware-Upgrades noch herausholen lässt, ohne gleich einen neuen Drucker kaufen zu müssen. Für alle, die bisher an der 300-°C-Marke gescheitert sind und auf robuste Funktionsteile aus Hochleistungskunststoffen angewiesen sind, öffnet dieses Upgrade ein ganzes neues Materialspektrum – zu einem Preis, der deutlich unter dem eines zusätzlichen Druckers liegt.

Prusa HT-Hotend-Upgrade: 3D-Druck bei 400 °C jetzt auch für den Desktop-Drucker

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