Der Markt für 3D-Druck-Filamente ist riesig — und gerade am Anfang stellt sich schnell die Frage: Welches Material passt eigentlich zu meinem Projekt? In diesem Guide stellen wir dir die gängigsten Filamente vor, erklären ihre Eigenschaften und zeigen dir, wofür sie sich am besten eignen.
Die wichtigsten Filamente im Überblick
PLA (Polylactid)
PLA ist das mit Abstand beliebteste Filament im 3D-Druck — und das aus gutem Grund. Es lässt sich leicht drucken, kaum bis gar nicht warpen (verziehen), riecht beim Drucken angenehm süßlich und ist biologisch abbaubar, da es aus nachwachsenden Rohstoffen wie Maisstärke gewonnen wird.
Einsatzgebiete
Deko-Objekte, Prototypen, Figuren, Geschenkartikel, alles ohne hohe mechanische oder thermische Belastung
Druckeinstellungen
Düse ca. 190–220°C, Druckbett 50–60°C, kein beheiztes Gehäuse nötig
PETG
PETG vereint viele Vorteile von PLA und ABS: Es ist deutlich schlagfester und hitzebeständiger als PLA, dabei aber einfacher zu drucken als ABS. Es ist außerdem feuchtigkeits- und chemikalienbeständig, weshalb es sich hervorragend für funktionale Teile eignet.
Einsatzgebiete
Funktionale Teile, Behälter, Outdoor-Objekte, Teile mit Kontakt zu Feuchtigkeit oder Lebensmitteln (lebensmittelecht je nach Filament)
Druckeinstellungen
Düse ca. 230–250°C, Druckbett 70–80°C, neigt zu Fäden ("Stringing") — Retraction wichtig
ABS
ABS ist das klassische Ingenieurskunststoff-Filament — robust, schlagfest und hitzebeständiger als PLA. Es lässt sich zudem mit Aceton nachbearbeiten und glätten. Nachteil: ABS neigt stark zum Warping und sollte idealerweise in einem beheizten Druckraum gedruckt werden.
Einsatzgebiete
Mechanisch belastete Teile, Gehäuse, Autoteile, alles was Wärme und Stöße aushalten muss
Druckeinstellungen
Düse ca. 230–250°C, Druckbett 90–110°C, geschlossenes Gehäuse empfohlen
TPU (Flexfilament)
TPU ist ein flexibles, gummiartiges Filament, das sich biegen und dehnen lässt, ohne zu brechen. Perfekt für alles, was Flexibilität braucht — vom Handyhülle bis zur Dichtung. Der Druck erfordert etwas Geduld, da langsamere Druckgeschwindigkeiten nötig sind.
Einsatzgebiete
Handyhüllen, Dichtungen, Bänder, Griffe, stoßdämpfende Elemente
Druckeinstellungen
Düse ca. 220–235°C, langsame Druckgeschwindigkeit (20–35 mm/s), Direct-Drive-Extruder von Vorteil
Carbon-/Glasfaser-verstärkte Filamente
Diese Filamente (meist auf PLA-, PETG- oder Nylon-Basis) sind mit Carbon- oder Glasfasern versetzt. Das Ergebnis: extrem steife, leichte und formstabile Teile mit mattem, technischem Finish. Wichtig: Diese Filamente sind abrasiv und benötigen eine gehärtete Stahldüse, da normale Messingdüsen schnell verschleißen.
Einsatzgebiete
Drohnenteile, Werkzeughalter, hochbelastete Funktionsteile, Teile mit hoher Formstabilität
Druckeinstellungen
Je nach Basis-Material, gehärtete Stahl- oder Rubin-Düse zwingend erforderlich
Holz- & Metall-Filamente
Diese Spezialfilamente bestehen aus einer PLA-Basis, die mit Holzfasern, Kupfer- oder Bronzepulver angereichert ist. Nach dem Druck lassen sie sich schleifen, bohren und teilweise sogar polieren — für einen täuschend echten Holz- oder Metalllook.
Einsatzgebiete
Deko-Objekte, Vasen, Kunstobjekte, alles mit optischem Anspruch
Druckeinstellungen
Düse ca. 190–210°C, größere Düse (0.6–0.8mm) empfohlen bei stark gefüllten Filamenten